Wie zeigen wir Empörung?

Was nutzt es die Faust in der Tasche zu ballen? Sich in Onlineforen zu echauffieren? Oder am Stammtisch so richtig Dampf abzulassen? Das alleine ist es nicht, das reicht auch nicht..

Gründe gibt es doch genug für Empörung:

-Sozialabbau in Größenordnungen

-Hartz-IV-Unrecht

-das zunehmende Aufgehen der Schere zwischen Arm und Reich

-drohende bzw. schon vorhandene Rentenarmut,

-ein Pflegenotstand mit Ankündigung

-Abbau von Demokratie

-der ausufernde Überwachungsstaat

-das Privatisieren öffentlicher Daseinsvorsorge

-Steuerungerechtigkeit etc.

All das sind gewiss Gründe um sich zu empören und im Einzelfall Widerstand zu leisten.

Und diese Zustände müssen geändert werden!

Denn:

Eine gesunde demokratische Republik braucht eine Volks-Basis, die ihren Unmut kund tut und nicht alles hinnimmt, was von oben verordnet wird.

In einer lebendigen Demokratie bezieht ein Teil des Volkes oder das Volk als ganzes Stellung zu bewegenden Themen!

Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

(fg)

Warum…

Warum ist das neoliberale Herrschaftssystem so stabil?

Warum gibt es so wenig Widerstände dagegen?

Warum werden sie alle so schnell ins Leere geführt?

Warum ist heute keine Revolution mehr möglich trotz immer größer werdender Schere zwischen Reichen und Armen?

Revolution, sehr leicht geschrieben und gesprochen.

Aber ehrlich, wofür und vor allen Dingen mit wem?

Zu einer Revolution fehlt noch viel, auch der große Plan dazu. Nach dem Scheitern des real existiert habenden Sozialismus ist Marx ja dahingehend etwas aus der Mode gekommen. Auch geht es der Mehrheit noch nicht schlecht genug. Im Prinzip wollen die meisten doch, dass nur alles so weiter geht, wie bisher.

Was ABER etwas Mut macht: Anscheinend schnallen es immer mehr, dass sie vom politischen System verarscht werden. Die wachsende Zahl der dahingehenden Publikationen (off- wie online) wie auch die Meinungen der Leute zumindest in meinem Umfeld geben da wieder Hoffnung, dass noch nicht alles verloren ist und in der Verblödung versinkt. Aber daraus einen Ruf nach einer Revolution ableiten zu wollen? Hm?

Wo die Revolution bleibt, ja diese Frage stellt sich auch für mich mittlerweile beinahe täglich angesichts der Fülle an pervertierten Nachrichten und dem Ergebnis eigener Recherchen und Auswertungen zum Zustand des Landes, Europas und weltweit. Aber wer soll sie ins Rollen bringen und nicht zuletzt, wer soll sie tragen.

Bin selbst davon abgegangen zu glauben, die Betroffenen müßten nur erweckt werden. Denn was ist zu beobachten – je eminenter der Handlungsbedarf, desto größer die Plakatwand in der Wohnung, Haus und nicht zuletzt am betagten Altmetall namens Auto. Aber auch die besser gestellten, „bildungsnahen“ Schichten machen -wenn auch dezenter- munter mit und die wissen genau was sie da tun, welche Einstellung „felsenfest“ dahinter steht.

Aber das Schlimmste: Ein Volk, welches CDU/SPD wählt, ist nicht in der Lage eine Revolution zu anzugehen.

Mal schauen – das Wort „aufgeben“ gehört nicht zu meinem aktiven Wortschatz.

Rücktritt

Liebe Genossinnen, liebe Genossen!

Ich bin vor drei Jahren in die Linke mit dem Ziel eingetreten, mich für ein solidarisches Miteinander einzusetzen.
Dieses Ziel sehe ich nach den Ereignissen, die mir in den letzten Monaten widerfahren sind, nicht mehr umsetzbar. Statt einer Auseinandersetzung mit der Lebensrealität der Menschen, erlebte ich überwiegend Angriffe gegen meine Person und zwar seitens der immer gleichen Protagonisten.
Mein Drang, politisch zu gestalten, wurde durch die Beharrlichkeit einiger, die sich gegen mich einsetzten, und dieser bedingungslos folgten, ausgebremst.

Politik – gerade auf  ehrenamtlicher Basis – hat mir immer viel Spaß gemacht. …und ich betone ausdrücklich, dass ich mir immer der Solidarität auf Kreisebene sicher war und diese sehr geschätzt habe.
Außerhalb der Kreisebene traf mich aber die volle Wucht Anderer, die sich durch meine Person provoziert fühlten. Ich habe in den letzten Monaten deutlich zu spüren bekommen, was es heißt, keine Wertschätzung zu erfahren; das war ich bis dato in dieser Form nicht gewohnt. Auf dem politischen Parkett hatte ich zwar schon einiges erlebt, aber in dieser Heftigkeit nicht. Das hatte auch auf meine bisherige intrinsische Motivation weiter parteipolitisch aktiv zu bleiben, seine Wirkung.

Dieser Umgang innerhalb der Linken, dem nicht nur ich ausgesetzt war, durch den man eine Art Sektierertum kultiviert und Differenzen betont, und so verhindert, dass es zu gemeinsamen Handeln kommt, hätte schon lange verhindert werden müssen. Denn so erreicht man keine Leute außerhalb der Partei, so vermittelt man kein linkes Lebensgefühl…

Von der anfänglichen Wut blieb nur noch Enttäuschung, dass mein Gesichtsverlust nicht kompensierbar war. Für Gespräche mit den Protagonisten war ich nicht mehr bereit – diese hatten ja erreicht, was sie erreichen wollten.
Die Eigendynamik wäre dadurch auch nicht mehr aufzuhalten gewesen. Ein deutliches Zeichen der Solidarität aus der Landesebene hatte ich erwartet, so blieb nur ein fader Beigeschmack und der Eindruck für Außenstehende, dass doch diese Protagonisten im Recht sein könnten und genau das kam an in meinem privaten Umfeld und somit auch gezwungen die Reißleine zu ziehen… in diesen Momenten braucht man eine offenes ein konkretes Zeichen der Solidarität; irgendwelche Hinterzimmergespräche helfen der Sache nicht weiter, denn diese bieten keinen wirklichen Schutz. 

Ich habe mich entschieden, dass ich mich aus der aktiven Parteipolitik zurückziehen werde, was nicht heißt, dass ich nicht weiter politisch aktiv bleiben werde.

Nein, für mich ist ausschlaggebend, dass ich Dingen nicht mehr begegnen möchte, die der Sache nicht dienen. Ich möchte keine weitere Konfrontation.

Ich bedanke mich bei Euch nochmals außerordentlich für eure gezeigte Solidarität, für die vielen gemeinsamen Stunden, in denen wir politisch aktiv, aber auch privat viel unternommen haben. Ich muss jetzt einen anderen Weg einschlagen, werde euch aber nicht aus den Augen verlieren. Ich möchte es nochmals ganz deutlich zum Ausdruck bringen: Ich lege mein Amt nieder, aber werde nicht aus der Linken austreten. Die Programmatik ist sehr gut –  das „Bodenpersonal“ macht mir Problem.
Und lege somit das Amt des Kreissprechers nieder.

Mit solidarischen Grüßen
Francesco Garita